
Heute geht die Reise durch den Advent zu Ende. Wir haben auf dieser Reise viele Stadien besucht. Manche Stadien haben durch die in ihnen ausgetragenen Spiele beeindruckt, andere durch ihre Optik und wieder andere durch ihre Fans oder andere Geschichten. Und natürlich sind auf dieser Reise viele Stadien auf der Strecke geblieben.
An manchen Tagen haben wir euch ja bereits mehrere Stadien vorgestellt, da sie es alle verdient haben in diese Liste zu kommen und weil sie thematisch gut zusammengepasst haben. Auch heute wollen wir euch mehrere Stadien vorstellen, die zu einem Großteil sogar einen eigenen Tag verdient hätten - aber dafür ist die Adventszeit leider(?) zu kurz.
Unsere Reise endet dort, wo sie auch begonnen hat, im Herzen der Fußballwelt – in London. Mit 13 Vereinen in den vier englischen Profiligen nimmt London eine ganz besondere Stellung im Fußball ein. Fünf dieser 13 Vereine spielen aktuell in der Premier League. Und auch ein Teil der restlichen Vereine spielte schon in Englands höchster Spielklasse. In Anlehnung an den Tagestrip der Seite Fussballinlondon.de zu den 13 dortigen Vereinsstadien wollen auch wir heute einmal rund um das Stadtzentrum von London fliegen und euch die verschiedenen Stadien dieser Stadt vorstellen.
Unsere Reise beginnt auch heute dort, wo wir am 1. Dezember angefangen haben, am Wembleystadion. Von dort geht die Reise nach Süden in den Stadtteil Brentford. Der ansässige Club, der FC Brentford, spielt dort im Griffin Park. Das Stadion wurde 1904 eröffnet und hat eine Kapazität von 12.763 Plätzen. Der FC Brentford spielt aktuell in der Football League One, der 3. englischen Liga. Auch die Reserve und die Jugendmannschaften des FC Chelsea nutzen dieses Stadion für ihre Heimspiele.
Wir bleiben nördlich der Themse und gehen zurück in Richtung Stadtzentrum. In einer Entfernung von ca. acht Kilometern liegt die Loftus Road, die Heimat der Queens Park Rangers. Auch das Loftus Road Stadium, auch "The Loft" oder Rangers Stadium genannt, wurde 1904 eröffnet. In das Stadion passen aktuell 18.360 Zuschauer.
Ursprünglich wurde das Stadion vom Shepherd's Bush F.C genutzt. QPR zog erst 1917 in den Stadtteil Shepherd Bush.
Zudem dient das Stadion nicht europäischen Nationalmannschaften als Austragungsort für Länderspiele auf europäischen Boden. Zum Beispiel waren die australischen "Socceroos" hier schon mehrfach zu Gast.

Zu Gast waren an der Loftus Road zwischen 2002 und 2004 auch die Spieler des Fulham FC. Damals wurde ihr Stadion, dass ca. sechs Kilometer entfernte Craven Cottage renoviert wurde.
Das Cottage ist mein persönliches Highlight, nicht nur in London, sondern sogar weltweit. Es ist das älteste Stadion der Stadt und wurde 1896 eröffnet. Der von Archibald Leitch entworfene und 1905 eröffnete Johnny Haynes Stand ist die ältesten noch erhaltenen Tribünen der Welt. Zum gleichen Zeitpunkt hat Leitch einen Pavilion zwischen Johnny Haynes Stand und Putney End bauen lassen. Dieser ist nicht der Namensgeber des Stadion. Das war eine königliche Jagdhütte (Craven Cottage), die vor 300 Jahren an dieser Stelle stand. Der Grund, warum Leitch erneut eine Jagdhütte baute war, dass er vergessen hatte Umkleideräume für die Spieler ins Stadion zu integrieren.

Vom Cottage machen wir die kürzeste Reise des Tages. Keine drei Kilometer liegt die Stamford Bridge entfernt. Die Stamford Bridge wurde 1877 als Leichtathletikstadion eröffnet. Die Laufbahn blieb bis zur Renovierung des Stadions 1990 erhalten. Eine erste Renovierung gab es bereits zwischen 1904 und 1905 durch den schon mehrfach in erwähnten Archibald Leitch. Eigentlich sollte im Anschluss der Fulham FC in diesem Stadion spielen, doch als diese abgelehnt haben, zog der frisch gegründete Chelsea FC hier ein.

Weiter geht es südlich der Themse. Der Selhurst Park ist seit 1924 die Heimat von Crystal Palace. Auch der Wimbledon F.C. spielte hier in seinen letzten 12 Jahren, ehe man als Milton Keynes Dons im National Hockey Stadium von Milton Keynes eine neue Heimat gefunden hat. Der Selhurst Park ist das dritte Stadion, an dem Leitch mitgearbeitet hat.

Auch das Stadion The Den von Millwall hat er entworfen. Dieses wurde allerdings nach der Schließung 1993 abgerissen. Heute Spielt Millwall im New Den, welches inzwischen wieder The Den heißt.
Das alte Den galt als eines der gefürchtetsten Stadien in England. Die Umkleidekabinen für die Gäste waren ohne Fenster und nur schwach beleuchtet. Die Fans galten bzw. gelten heute noch als die lautesten und aggressivsten in England. Gary Lineker sagte Rückblickend über das Den:
"I remember running on to the pitch at The Den when I was a youngster with Leicester in the fifth round of the FA Cup. The place resembled a huge trap, and the venom that hit us from the Millwall fans was unbelievable. I remember thinking to myself, maybe it would be a good idea not to score at this place!"
Nach dem Umzug hat dieser Mythos zwar nachgelassen, doch die Fans sorgen immer noch für eine prickelnde Atmosphäre in den Heimspielen.
Fährt man südlich der Themse rund acht Kilometer nach Osten, dann kommt man irgendwann an die Floyd Road. Dort steht das Stadion The Valley. Hier spielt seit 1919 der Charlton FC. Zwischen 1985 und 1992 war das Stadion allerdings wegen Renovierungsarbeiten geschlossen.
In die Geschichtsbücher ging dass Valley zudem am 31. Mai 1976 ein. Bei einem Konzert der Rockband The Who wurde eine Lautstärke von 120 db gemessen, was bis heute der höchste gemessene Wert bei einem Konzert ist.

Wir überqueren erneut die Themse und fahren weiter in den Osten der Stadt. Im Bezirk Dagenham spielt seit 1992 der Verein Dagenham & Redbridge FC. Der Verein ist ein Zusammenschluss von vier Amateurmannschaften, die bekannteste davon der FC Leytonstone, der vier Mal den FA Cup für Amateurteams gewinnen konnte.
Der Verein spielt an der Victoria Road. Das Stadion wurde 1917 gebaut und ist mit 6.000 Plätzen das kleinste Stadion in London. Es hat immer wieder den Besitzer gewechselt. Auch ein Vorgängerverein des Dagenham & Redbridge FC, der Dagenham FC spielte hier seine Heimspiele.
Wir bleiben im East End von London. Im Stadtteil Upton Park steht der Boleyn Ground, die Heimat von West Ham United. Das Stadion wird einfach nur Upton Park genannt, so wie der Stadtteil, in dem das Stadion liegt. Der offizielle Name lautet aber Boleyn Ground. Benannt ist es nach Anne Boleyn, die zweite Ehefrau von Heinrich VIII. Das Grundstück an der Green Street, auf dem das Stadion steht hieß vor der Bebauung 1904 "Boleyn Castle". Die größte Renovierung erfuhr es wie die meisten Stadien nach dem Taylor Report. Lediglich die Gegentribüne, der East Stand wurde nicht runderneuert. Die Planungen ihn 2003 ebenfalls an die restlichen zweigeschossigen Tribünen anzupassen und die Kapazität so von 35.647 auf 40.500 Plätze zu erweitern sind fehlgeschlagen, weswegen man aktuell versucht nach den olympischen Spielen 2012 ins neue Olympiastadion zu ziehen.
Um möglichst viele Fans ins Stadion zu bekommen sind die Tribünen viel enger bestuhlt als es für ein heutiges Stadion üblich ist. Da auch die Fans von West Ham traditionell als aggressiv und laut gelten, gehört auch die Stimmung im Boleyn Ground zu den elektrisierensten in London. Zudem hegen die Fans der "Hammers" eine Rivalität zu den Fans von Millwall. Wenn sich beide Vereine treffen, zuletzt bei einem Ligapokalspiel am 25. August 2009, dann kommt es leider auch heute noch zu wilden Straßenschlachten.
Gesitteter geht es da an der Brisbane Road, aktuell Matchroom Stadium, zu. Das Stadion hat weniger als 10.000 Plätze und hauptsächlich spielt hier der 3. Ligist Leyton Orient. Der 1881 gegründete Verein ist einer der ältesten in London. Auch die Reserve der Tottenham Hotspur trägt hier ihre Spiele aus.
Die Profis der Spurs spielen in der neun Kilometer entfernten White Hart Lane. Das Stadion wurde 1899 eröffnet, doch wurde es bereits zehn Jahre später, wie so viele Stadien, von Archibald Leitch renoviert.
Das Stadion hat mit 36.310 Plätzen eine ähnliche Kapazität wie der Boleyn Ground. Das ist auch für die Spurs zu wenig, weswegen auch sie versucht haben 2012 ins Olympiastadion zu ziehen. Alternativ hatte man bereits Pläne für ein eigenes Stadion, der New White Hart Lane, eingereicht. Diese Pläne sind inzwischen gesichert und in unmittelbarer Nachbarschaft der alten "Lane" entsteht demnächst ein neues Stadion für 56.250 Zuschauer.

Diesen Schritt ist der Nachbar FC Arsenal bereits vor vier Jahren gegangen. Seit 2006 spielen die Gunners im Emirates Stadium. Es 60.355 Plätze und gehört zu den modernsten Stadien in England. Wie viele moderne Stadien versprüht es aber nicht das Flair des alten Stadions.
Das Arsenal Stadium, auch Highbury genannt, liegt nur 300 Meter entfernt. Von den eigenen Fans wurde es Highbury - "The Home of Football" genannt. Gegnerische Fans spotteten hingegen "Highbury the Library", auf Grund der schlechten Stimmung, die im Arsenal Stadium herrschte. Dass das Stadion ursprünglich 1913 von Archibald Leitch gebaut wurde muss man vermutlich nicht erwähnen.

Zum Abschluss der Reise und ca. 130 Kilometer quer durch London machen wir noch einen Abstecher in den Norden der Stadt. Dort steht das Underhill Stadium des Barnet FC. Mit 6.200 Plätzen ist es ähnlich klein wie die Victoria Road. Barnet spielt in der Football League Two und teilt sich das Stadion mit der Reserve des FC Arsenal.
Original: Torschrei - Der unabhängige Fußballblog
Mister Wong
Digg
Del.icio.us
Slashdot
Furl
Yahoo
Technorati
Newsvine
Googlize this
Blinklist
Facebook
Wikio